Hans Röper, der letzte direkte Nachfahre der Familie Röper in Othmarschen, verlebte seinen Ruhestand gemeinsam mit seiner Frau Annelene in Hohenwestedt bei Neumünster. Er war ein überaus lebendiger Geschichtenerzähler und steckte voller Erinnerungen und Anekdoten über den Röperhof und sein geschichtliches Umfeld. Um diesen Erinnerungsschatz zu sichern, besuchten Friederike und Christoph Mühlhans ihn und seine Frau am 22. Juni 2009 und führten das folgende Gespräch.

Röper: Das Elbdorf Othmarschen gehörte, wie Altona, zur Vogtei Ottensen. Gemeinsam waren sie im 17. Jahrhundert an das Herzogtum Holstein gefallen und dann im frühen 18. Jahrhundert an den dänischen König, der in Personalunion König von Dänemark und Herzog von Holstein war. Die Staatsgrenze zur Freien und Hansestadt Hamburg verlief an der Großen Freiheit, wobei die Stadt so frei gar nicht war, denn sie war immer auch ein bisschen von Dänemark abhängig. Sie musste dem dänischen König, der dauernd Geld brauchte, immer viel bezahlen. Dieser hatte den holsteinischen Grafen ihren Besitz schon lange streitig gemacht. So hat er dem Herzog von Holstein-Gottorf den ganzen Besitz nördlich der Eider weggenommen, insbesondere auch Gottorf und Glücksburg. Und dann saß der arme holsteinische Wurm in Kiel, und fuhr 1716 oder 17 nach Petersburg, wo er sich in Anna Petrowna, die Tochter von Zar Peter verknallte und sie dann auch heiratete. Sie wurde Gräfin in Kiel, bekam einen Sohn, Karl Peter Ulrich, und starb im Kindbett. Ihr Sohn hatte, wie wir wissen, einen kleinen Schatten. Aber den Erblinien zufolge hatte er Anspruch auf den vakant werdenden schwedischen Königsthron. Er wurde dann aber von seiner Tante Elisabeth, der Zarin von Russland und Tochter von Peter dem Großen, zum Nachfolger berufen, denn der Zarewitsch Iwanowitsch war geistig noch schlimmer erkrankt. Also hat die Zarin Elisabeth ihren Neffen nach St. Petersburg berufen und ihm, auf Anraten von Friedrich dem Großen, eine Prinzessin von Anhalt-Zerbst besorgt, deren Großmutter auch aus Kiel stammte. Diese Prinzessin wurde dann Katharina II.
Nun brach der Siebenjährige Krieg aus, in dessen Verlauf die Zarin ihre Flotte nach Fehmarn schickte und einen Teil ihrer Truppen in Mecklenburg stationierte. Da sagten sich die Dänen, wir müssen unsere Reichsgrenzen verteidigen und schickten ihre Truppen an die Südgrenze. Und an dieser Südgrenze lag Othmarschen. Da hatten sich also dänische Truppen auch im vorigen alten Röperschen Hof einquartiert und qualmten. Die Othmarscher Familie Röper feierte mit den anderen Othmarschern „Kindergrün“, ein Schulfest im Frühling oder Sommer, eine Quelle spricht vom 23./24. Juli. Das Tragische war, dass die älteste Röpertochter gelähmt war und zu dem Kinderfest nicht mitgenommen wurde. Und genau an dem Tag, als die Othmarscher „Kindergrün“ feierten, zogen die dänischen Truppen ab und steckten, aus Versehen oder mit Absicht, den Röperschen Hof an. Er brannte ab und in dem brennenden Gebäude kam die neunjährige Margarethe um. Wie es das Schicksal wollte, lagen in Itzehoe noch dänische Truppen als Besatzungsmacht, als ich 1954 hier nach Nienjahn kam. Eines Tages kam zu uns ein Unteroffizier mit sechs Mann und fragte: „Kann ich hier übernachten?“ Ich darauf: „Nein, die Dänen haben uns schon mal einen Hof angesteckt.“ Heute könnte ich mich ja backpfeifen dafür, aber das steckte so drin, ich dachte, die Soldaten stecken uns die Häuser an. Na, das arme Kind verbrannte und nach kürzester Zeit war das Haus schon so weit wieder aufgebaut, dass man im September Richtfest feiern konnte, was heute unfassbar ist. Glück im Unglück war, dass die Familie Röper ihr Haus in der Pinneberger Brandgilde versichert hatte, die nach Hamburger Vorbild Ende des 17. Jahrhunderts gegründet worden war. Das Geld, 2400 Mark, hat der Bauer Röper erst im Oktober ausgezahlt bekommen. Das neue Haus wurde dann mit 3000 Mark versichert.
Da war das Haus also abgebrannt und in wenigen Monaten wieder aufgebaut. Irgendwann, ich glaube 1799, wurde dann der Zement erfunden und etwa hundert Jahre später kriegten die Röpers auch die große Betonwut und bauten das Quergebäude als Kuh- und Schweinestall mit Heuboden an.
Auf der Elbinsel Krenzweide, zu Waltershof gehörig, besaßen Othmarscher Bauern Weideflächen. Das kann man auf dem Plan von 1791 erkennen. Wilhelm Röper ist da an zweiter Stelle genannt und noch ein weiterer, Johann, an 23. Stelle. Diese Gebiete gehörten ursprünglich den Dänen. Die brauchten aber Geld und so haben sie die Insel an die Hamburger verkauft. Die persönlichen Besitzverhältnisse wurden dadurch ja nicht eingeschränkt, es war nach wie vor Othmarscher Weidefläche.

Diese Weiden auf Waltershof hat meine Großmutter 1923 an die Stadt Hamburg verkauft. So lange haben die Othmarscher dort Wiesen gehabt, Tiere dorthin gebracht und Heu gemacht. Mein Vater wusste noch, dass sie in seiner Jugend einmal Jungvieh mit dem Prahm [kleine Fähre] vom Hohlweg aus rübergefahren haben, und am nächsten Tag war eine Stärke [Jungkuh] wieder zu Hause. Die stand plötzlich vor der Tür, sie hatte wohl Heimweh gekriegt. Sie muss durch die Elbe zurück geschwommen sein. Und unten am [Övelgönner] Hohlweg musste in der Heuernte immer ein Othmarscher Bauer ein Gespann Pferde stationieren, damit sie mit vier Pferden und der Heulast den Berg hochkamen. Es freut mich, dass der Hohlweg immer noch da ist.
Mühlhans: Der Hof soll ja seit 1736 im Besitz der Familie Röper gewesen sein. Das alte Haus vor dem Brand war möglicherweise ein bisschen kürzer. Als wir die Glaswand in der Deele gebaut und dort gebuddelt haben, um das Fundament zu machen, kam ein Fohlenskelett zum Vorschein. Deshalb habe ich gedacht, aus heidnischen Gründen wurde es ursprünglich dort eingegraben, und habe daraus geschlossen, dass das Haus ein Gefach kürzer gewesen ist.
Röper: Die Röpers haben seit 1660 Kirchengeld gezahlt, mindestens seit dieser Zeit waren sie in Othmarschen ansässig. Der Hof wurde durch Einheirat zum genannten Zeitpunkt erworben.
Zum Thema „Skelette“ kann ich etwas beitragen. Wir haben im Jahre 1939 zwischen dem Silo und der damaligen Wagenremise einen Erdbunker mit Eichenspaltpfählen gebaut. Mein Vater kannte das noch aus dem 1. Weltkrieg, denn er lag vor Verdun und wusste, wie man solche Bunker baut. Er wusste aber auch, dass das eigentlich eine Mausefalle ist, wie auch der Keller unter dem reetgedeckten Haus. Dann kam die Idee auf, man könnte mit Beton noch viel widerstandfähiger bauen. Ein Architekt machte ihm eine Skizze, denn in Friedenszeiten würde man den Bunker auch gut als Milchkeller benutzen können, zum Kühlen. So fingen unsere Leute, die damals so genannten Fremdarbeiter — das waren Polen, Russen und Franzosen — im Januar/Februar ´45 an, eine große Baugrube auszuheben, denn sie hatten im Winter nicht viel Anderes zu tun. Die Baugrube muss direkt hinter der Hecke der heutigen Restaurantterrasse gewesen sein. Als dann das Bauen losgehen sollte, gab es keinen Zement und kein Eisen mehr. Da sagte Vater, es war ja gegen Kriegsende: „Jetzt kommen die Engländer mit ihren Tieffliegern und denken, hier ist eine Stellung gebaut, denn sie sehen ja die Erdbewegungen. Also müssen wir alles wieder zuschütten, sonst schmeißen sie uns hier Bomben rein.“ Und in dem Moment kriegten wir im Schweinebestand Rotlauf. Heute eigentlich eine harmlose Geschichte, später habe ich die Schweine immer alleine geimpft, aber zum Ende des Krieges gab es kein Serum mehr. So blieben uns drei große Schlachtschweine tot und die Entsorgung über die Tierkörperverwertung lief auch nicht mehr. Also wohin damit? Unten in die Baugrube rein. Wie das Fohlen, so ungefähr. Ein paar Schaufeln Sand drauf und dann war Feierabend. Doch am nächsten Morgen sind die Schweine wieder ausgegraben und sechs Schinken weg. Mein Vater guckt Henry an, den Polen. Den hatten wir seit 1939, mit 17 Jahren kam der. Später hat er deutsche Jäger in Masuren betreut und hat uns immer Grüße ausrichten lassen, er hat also Karriere gemacht. Er hatte wohl eine kaufmännische Ader, jedenfalls hat er die Schinken an das Russenlager in der Sternwollspinnerei verkauft, gegenüber von der Adolf Jäger Kampfbahn. Dort war damals ein Lebensmitteldepot von der Wehrmacht. In dem Lager haben die Russen furchtbar gehungert und so hat Henry ihnen die Schinken hingebracht und die haben ihm was weiß ich dafür gegeben.

Und es gibt noch eine weitere Geschichte zum Thema „Skelette“. Am 2. Mai ´45 kapitulierte Hamburg und es gab kaum noch Viehfutter. Unsere Remonten, die ein-, zwei- oder dreijährigen Pferde, liefen auf der Weide am Osterkamp, das ist die Koppel, wo bis vor kurzem das Schwesternwohnheim am Altonaer Krankenhaus stand. Diese Koppel hatten wir gepachtet von dem Bauern Schmidt. Karl Kaufmann war der Gauleiter von Hamburg und der hatte sich ganz zeitig mit den Engländern ins Vernehmen gesetzt und gesagt, wir machen hier aber keinen Krieg mehr. Deshalb mussten im März ´45 die Gespanne und die Kriegsgefangenen und „Fremdarbeiter“ Panzergräben ausheben und Sperren und all so was bauen. Auch auf der Weide am Osterkamp wurden mit der Feldbahn Trümmer angefahren. Dann wurden dort zwei Batterien Flugabwehrkanonen 8/8 aufgefahren, das war das rasanteste Geschütz, das wir hatten. Und zwischen diesen Stellungen liefen unsere Pferde und fraßen das Gras, das dazwischen wuchs. Und nun, am 2. Mai, verließen ja die Truppen Hamburg kampflos bei Nacht und ließen alles stehen. Und sie ließen natürlich alle Pforten und Hecks [Umzäunungen] auf. Die Pferde dort sagten sich, hier haben wir ja alles abgefressen, aber in den Villengärten gibt es wunderbares Gras. So liefen dann fünf Pferde zur Villa Niels, eine kleine weiße Villa auf der Ecke, neben dem früheren Schwesternwohnheim. Und da fanden unsere Pferde dann den [giftigen] Taxus, den Lebensbaum.
Da war die Not groß, was sollten wir denn nun machen? Wir haben also unseren Tierarzt angerufen — das war der Präsident vom ADAC Hamburg, ein Dr. Thun in Blankenese, der fuhr den ganzen Krieg über einen Bentley. Der kam mit Weste und schwarzem Anzug an und wenn er etwas untersuchen sollte, dann wurde auf das Tier ein weißes Handtuch gelegt und wir durften das Jackett halten. Als er dann kam, sagte er: „Ich habe ja nun auch nichts, aber geben Sie den Pferden Haferschleim, so viel wie möglich.“ Aber es gab doch nichts, es war ja alles knapp. Aber meine Mutter, die war außerordentlich geschäftstüchtig, sie ging zu dem Bauern Ellerbrock am Bahrenfelder Teich. Der hatte nämlich sowohl eine Schrotmühle als auch eine Haferquetsche. Mit ganz viel Überredung haben wir also 75 Pfund gequetschten Hafer bekommen. Damit haben wir zwei Pferde gerettet, drei verendeten. Wohin nun mit ihnen? Die Verwertung funktionierte ja nicht, also haben wir sie in einen Bombentrichter geschleift, wo jetzt die neue Hirtenwegschule drauf gebaut ist. Und so findet man jede Menge Gerippe in der Gegend. Die Geschichte mit dem Pferdefohlen vorm Deelentor kannte ich nicht, aber wenn man eines Tages mal Ausgrabungen macht, wird man sagen, die waren aber sehr abergläubisch, als sie die Schule gebaut haben.
Interessante Baugeschichte
Wenn wir früher im Stall und auf dem Dachboden arbeiteten, zeigte mein Vater mir Bearbeitungsmerkmale an den Balken. Er war der Meinung, dass das Holz eine Vornutzung im Schiffsbau gehabt hätte. Das würde auch den sehr schnellen Wiederaufbau des Hauses nach dem Brand erklären können.
Mühlhans: Es ist spannend, wie man am Röperhof Bau- und Kulturgeschichte ablesen und erkennen kann, was die Entwicklung baupolizeilicher Auflagen für das Haus bedeutet hat. Immer wieder interessant finde ich die Geschichte mit dem Kuhgeruch, der durch den Qualm des offenen Feuers im Flett aus den Wohnräumen ferngehalten wurde. Erst als es die Auflage gab, einen Kamin mit Esse und später einen Herd mit Schornstein zu bauen, weil es zu viele Brände gegeben hatte, hielt man es vor Stallgeruch in den Wohnräumen nicht mehr aus.
Röper: Ich kann auch noch eine segensreiche Geschichte vom Kuhgeruch erzählen. Ich bin ja 1949 in die landwirtschaftliche Lehre gekommen, nach Barskamp bei Bleckede in der Lüneburger Heide. Meine Lehrlingsstube, die ich mit drei anderen Lehrlingen teilte, war in diesem niedersächsischen Bauernhaus direkt neben den Kühen. Meine Mutter war so besorgt, denn ich war ja der Älteste, dass ich da auf der Heide total verkommen und verhungern werde. Und so kaufte sie mir — es war ja ´49, gleich nach der Währungsreform — einen ganz großen Vorrat an Zigarillos. „Onkel Tom“ hießen die. Und sparsam wie ich war, musste ich ja mit meinen Zigarillos haushalten. Und dann kam der bewusste Kuhgeruch, denn nun fingen diese Zigarillos an zu schimmeln. Aber ich dachte, nein, die haben ja Geld gekostet, die müssen aufgeraucht werden. Doch als ich dann sechs Wochen diese Schimmeldinger geraucht hatte, wurde mir so schlecht, da habe ich sie weggeschmissen und seither nie wieder geraucht.
Der Röperhof und seine Nachbarschaft
1850 baute man die Pferdebahn von Altona nach Blankenese, den Othmarscher Kirchenweg hinunter. Eine Pferdebahn, das ist ein straßenbahnähnliches Fahrzeug das in Straßenbahnschienen läuft und von einem oder zwei Pferden gezogen wird. 1911 wurde sie dann elektrifiziert. Wo heute das Tantenhaus steht — das Wohnhaus neben dem Röperhof für unsere Großmutter und drei unverheiratete Tanten — stand eine Scheune, die 1908 abgebrannt ist. Dem Röperhof gegenüber stand der Backofen, da wo jetzt die Kehre ist. Und hier, wo heute die Pforte ist vom Tantenhaus, da war der Teich. Um diese Pforte herum ist 1943 eine Bombe eingeschlagen und da schossen lauter Bierflaschen-Verschlüsse aus der Erde, weil der Teich vor dem Krieg mit Abfällen der umliegenden Brauereien zugeschüttet worden war.

Mühlhans: Diese Zeichnung muss ja zwischen 1900 und 1930 entstanden sein, weil der Anbau schon da ist, das Tantenhaus aber fehlt, das 1930 gebaut wurde. Aber man sieht schön das Altenteil und den Schmidtschen Hof und den Hof von Cords.
Röper: Bei Cords war meine Großmutter aus Kellinghusen um 1885 in Stellung. Hinter unserem Hof vorbei, quer über die Röpers Weide, ging ein Richtweg zum Othmarscher Bahnhof. Da hat der junge Bauer Röper gedacht, das ist ja ein schmuckes Mädchen, die frag ich mal und so hat er mit ihr bei Cords angebandelt. Der Cords'sche Hof stand dort, wo heute die Internationale Schule gebaut ist.
Der Schmidtsche Hof steht heute noch gut erhalten da. In meiner Jugendzeit lebte darin die Mutter Dora Groth mit ihrer unverheirateten Tochter Anna. Und hinter Klein-Asien wohnte später der Barbier Rickert, der außer Haare schneiden und Rasieren auch Fußnägel beschnitten und Uhren aufgezogen hat.
Unser Rektor H. von der Hirtenschule trug eine Perücke, mit angeklebten roten Haaren. Und alle 14 Tage sagte er zu mir: „Hans, du gehst ja bei dem Rickert vorbei, sag ihm, ich komme nachher zum Haare schneiden.“ Und dann dachte ich immer, der hat doch gar keine Haare, was will der denn. Aber er meinte die grauen Haare um die Ohren, die wurden ihm abrasiert.
Und hinter dem Schmidtschen Hof war der Fuhrunternehmer Karl Larsen, mit acht kräftigen belgischen Pferden. Er fuhr alles, was Schwerlastverkehr war, Kies, Kalk und Sand. Karl Larsen, der hatte dasselbe Problem wie wir, die Pferde hatten auch kein Kraftfutter und so wurden sie abends auf die Weide unten in der heutigen Reventlowstraße gebracht. Wenn morgens die Pferde von der Weide zur Arbeit geholt wurden, ließ man das Tor auf. Abends machte dann Karl Larsen die Pferde auf dem Hof los, Geschirr und Zaumzeug ab, und die acht Pferde im Galopp die Margarethenstraße runter auf die Weide und er fuhr auf dem Fahrrad hinterher und schloss das Heck.
Zur Christuskirche hatten wir immer einen guten Kontakt. 1935 hat der Erntedankgottesdienst auf dem Röperhof stattgefunden, weil die Christuskirche von Prof. Schäfer neu ausgemalt wurde. Die Predigt hielt Propst Schütt, der kam immer mit einem Gehrock und einem steifen Hut, so einem Eierkoker.

Umsiedlungs- und andere Pläne für den Röperhof
1937 wurde der Röperhof unter Denkmalschutz gestellt. Weil er Hitlers gigantischem Elbquerungsplan im Weg war, sollte er umgesetzt werden und wir sollten anderswo hin. Den ganzen Krieg über bekamen wir von Maklern Angebote von Gütern aus Ostpreußen. Der Röperhof sollte im Hochrad wieder aufgebaut werden, die Balken waren schon durchnummeriert. Dort sollte so eine Art Molfsee, ein Museumsdorf entstehen.
Mühlhans: Fast identisch mit dem Verlauf der jetzigen A 7 hatten die Nazis ja 1937 eine Reichsstraße geplant, die die Elbe nicht unter- sondern mit einer gigantischen Brücke überqueren sollte. Geplant war eine Riesenrampe, über 80 m hoch, und die Pylonen 160 oder 200 m hoch. Der Fernsehturm ist im Vergleich auch nur 280 m hoch.
Röper: Das war so ein bisschen von der Golden Gate Brücke kopiert.
Mühlhans: Angeblich wurden schon Probefundamente gemacht, direkt unten am Strand.
Röper: Riesen-Sandsteinquader müssen das gewesen sein, ca. 4×4 m und 1,5 m hoch. Da waren fünf oder sechs aufeinander getürmt, die sollten die Untergrundfestigkeit prüfen. Sie standen in Övelgönne, sind aber jetzt nicht mehr da.
Mühlhans: Alles sollte abgerissen werden, bis hin zur Elbchaussee. In Övelgönne hatten sie ja auch schon alles aufgekauft.
Röper: Dafür war der Krieg wieder gut, denn sonst wäre Hitler mit diesen Wahnsinnsplänen nicht zu stoppen gewesen. Viel später, bevor Sie Anfang der achtziger Jahre auftauchten, standen wir in Kontakt mit einem Architekten, Peter Wiech, der wollte den Röperhof für drei Arztwohnungen komplett umbauen. Aus seinen Plänen ergab sich, dass wir 2,5 Millionen DM aufnehmen sollten und da sagte ich: „Dagegen kann ich mit meinen Schweinen ja gar nicht anarbeiten, wenn mal eine Wohnung leer steht.“ Und so wurde daraus nichts.
Mühlhans: Mitte der achtziger Jahre gab es noch einmal Pläne, den Röperhof zu versetzen. Eines Tages klingelte zu früher Stunde das Telefon bei mir und ein Herr Gebhard aus dem Amt für Fernbahn- und Tunnelbau war dran. Sie unterbreiteten mir ihre Idee: „Wir verschieben Ihren Hof um 20 Meter nach Westen, dabei bekommt das Haus ein neues Reetdach und wir bauen Ihnen alles wieder so schön auf, wie es vorher war.“ Natürlich kann man so ein altes Haus niemals in der alten Qualität wieder aufbauen!
Kriegs- und Nachkriegsgeschichten
Bei dem Bombenangriff am 13. Dezember 1943 gegen 11 Uhr fielen acht Bomben unmittelbar rund ums Haus, insgesamt waren es 18. Eine bei der Linde und eine wo nachher der Bunkerbau war. Vier gekoppelte waren dort eingeschlagen, wo jetzt vor der großen Deelentür der Fußgängerweg zum Tunneleingang ist; eine bei den Tanten in die Pforte und eine in die östliche Giebelwand der alten Kate. 1942 waren bei den Tanten schon zwei Brandbomben durchs Dach ins Bett gefallen, glücklicherweise tagsüber. Und in das Bett von Tante Elisabeth fiel die Bombe, es stand unter der Schräge, und blieb drin stecken. Dann kam der Sicherheits- und Hilfsdienst, alles alte Männer. Die haben die Badewanne im ersten Stock voll Wasser laufen lassen und die Matratze drin untergedückert. Da haben sie sie aus dem Fenster geschmissen und auf die Weide gezogen, wo sie dann ausgekokelt ist.
Eine Bombe im Dach wäre bei uns am Röperhof ja eine Katastrophe gewesen, obwohl wir gut dressiert waren. Man konnte diese Stab-Brandbomben angeblich anfassen, und oben auf dem Boden im Röperhof hatten wir ein großes Wasserfass mit 200 Litern stehen, da hätten wir sie reinstecken sollen. Außerdem waren wir mit Patschen ausgerüstet, das waren Holzstiele mit Säcken dran, und einem Ledereimer, in dem musste immer Wasser sein.
Mühlhans: In der Räucherkammer haben wir noch einen alten Paradedegen gefunden.
Röper: Den mit den Löwenköpfen mit den roten Augen auf dem Knauf? Mein Vater diente ja im 3. Brandenburgischen Artillerieregiment. 1911 hat er sich freiwillig gemeldet. Und wenn man drei Jahre hintereinander die Manöver besucht hatte, dann war man Leutnant. Und als Leutnant kriegte er dann diesen Degen.
Ich weiß, wir hatten zwei Degen. Im Februar 1945 kam das Volksopfer. Damals waren die Fronten ja schon zusammengebrochen und es fehlte zum Beispiel an Verbandszeug. Die ganzen Spenden wurden ins Christianeum gebracht und als es dunkel wurde, da sahen wir, unser NSDAP Ortsgruppenvorsitzender K. hatte sich die schönsten Sachen rausgesammelt! Und was die Degen anbetraf, sagte Vater: „Nein, einen davon will ich behalten.“ Den anderen hat er für das Volksopfer gegeben. Und als dann die Engländer kamen, hat der K. sich aufgehängt. Da haben wir alle gesagt: „Prima, dass das Aas sich aufgehängt hat.“

Der Kampf mit der Stadt Hamburg
Die Stadt Hamburg hat in den letzten 100 Jahren immer Bodenvorratspolitik durch Verkehrsplanung gemacht. Und weil die Röpers außer den Groths die Einzigen waren, die noch landwirtschaftliche Flächen besaßen, waren wir immer die Leidtragenden. 1958 — ich saß schon in Nienjahn und brauchte Geld — hat Vater gesagt: „Ich möchte die Röperweide verkaufen.“ Da sagte die Stadt, das geht leider nicht, die ganze Weide ist für einen großen Kreuzungsbau verplant. Sie haben die ganze Röperweide für 10 Mark Entschädigung pro Quadratmeter gekauft und später wurde sie von der Stadt teuer als Bauland weiterverkauft. Und als dann die Tunnelgeschichten losgingen, kam es dazu, dass alle Nachbarn 350 Mark Entschädigung pro Quadratmeter kriegten und wir kriegten nur 65 Mark. Darauf haben wir 15 Jahre lang mit dem Herrn Dr. Sasse gegen die Stadt geklagt.
Den Röperhof selber, den wir ohne Land ja nicht mehr bewirtschaften konnten, wollten wir dem Altonaer Museum schenken, mit der Auflage, dass die Stadt ihn als Denkmal erhält. Da sagte die Stadt Hamburg: „Was sollen wir damit, der Grund und Boden ist ja etwas wert, aber es ist ja völlig entwertet durch diese alte Bruchbude, die da oben drauf steht.“ Und dann wussten wir auch vom Cords'schen Hof und all den anderen Gebäuden, wenn die Stadt Hamburg sie in Besitz nahm, waren sie nach einem Vierteljahr abgebrannt.
Mühlhans: Es ging um verschwundene Akten, wenn ich mich recht erinnere.
Röper: In den Ostgiebel des Röperschen Altenteils, das zwischen dem Röperhof und der heutigen Internationalen Schule stand, fiel am 13. Dezember 1943 auch eine Bombe, und so ein Fachwerkhaus ist ja ein Wunder an sich. Der ganze Giebel war weg, aber der Rest des Hauses blieb stehen. In diesem Teil wohnte eine Arbeiterfamilie von uns und in der Ecke war der Milchladen von Arpes, die Othmarscher Milchwirtschaft.
Arpes haben also 1943 aus den Trümmern eine provisorische Wand eingezogen und blieben da wohnen. Und als dann die Währungsreform gewesen war, bekam Vater ein Schreiben, in dem stand, das Altenteil sei einsturzgefährdet. Da aber große Wohnungsnot herrschte, wurde er verpflichtet, den zerstörten Teil wieder aufzubauen. Also hat mein Vater den Architekten Mann angeworben. Der baute zwei Komfort-Mietwohnungen aus. Eines Tages, so um 1964, kriegte meine Mutter ein empörtes Schreiben von den Mietern, warum sie denn so plötzlich ohne Kündigung ausziehen sollten. Da hatte die Stadt Hamburg den Mietern gekündigt, ohne uns zu benachrichtigen! Sie mussten alle ausziehen, weil die Stadt den Grund und Boden für den Bau des Elbtunnels benötigte. Und von der Entschädigung, die wir für den alten Hausteil bekamen, mussten wir den Abbruch des neuen Hausteils bezahlen. Da haben sie uns ganz schön malträtiert.

Röper: Von daher habe ich einen tiefen Gram. Die passende Geschichte dazu hat mir Christian Tilse erzählt — die vom Seeräuber Störtebeker. Die Hamburger haben ihm ja den Kopf abgehackt, aber vorher durfte er sich noch etwas wünschen. Und sein Wunsch war, dass alle seine Männer, an denen er ohne Kopf noch vorbeilaufen kann, begnadigt werden sollten. So etwa beim neunten Mann hat ihm dann der Henker ein Bein gestellt, aber das Blut ist noch bis zum letzten Räuber gespritzt, da hat der Senat gesagt, dann lassen wir sie alle laufen. Und wo sind sie geblieben? Sie sind alle in der Hamburger Verwaltung untergekommen und da sitzen sie noch heute. Ich finde, das passt wirklich schön zu meinen Erfahrungen mit der Hamburger Verwaltung.
Mühlhans: Glücklicherweise, und das ist vielleicht ein kleiner Trost für Ihre Probleme mit der Stadt, hat der Röperhof vom Bau der 4. Röhre letztendlich profitiert, auch wenn die Bauzeit sehr hart für uns war. Aber die Grünanlage um den Hof herum ist sehr schön geworden und wo früher der Obstgarten war, entsteht jetzt eine Streuobstwiese. Die Gartenplaner haben wirklich gute Arbeit geleistet.

Schlusswort
Röper: Wir drei Nienjahner lebten vierzig bis fünfzig Jahre gemeinsam von Ackerbau und Viehzucht in Holstein. 1996 verstarb mein Bruder Johann früh und überraschend.
Ab 1982 haben wir zusammen mit Christoph Mühlhans für den Erhalt des Röperhofs gekämpft, gearbeitet und manches riskiert. Und jetzt war Land in Sicht.
Ohne von der Nähe des Todes zu wissen, wurden wir von der Westbank zu einer Vortragsveranstaltung nach Kiel eingeladen. Eine blutjunge Referentin hielt einen schlüssigen Vortrag über das Vererben und Stiften. Auf der Rückfahrt von Kiel besprachen wir das Gehörte und fanden, dass eine Stiftung genau das ist, was der Röperhof braucht.
Nach dem Tode meiner Schwester Johanna im Jahre 2000 war es daher für mich selbstverständlich, dass nun eine Stiftung aus dem Röperhof-Areal gemacht wird. Und so ist es jetzt.
Das Ziel der Röperhof Stiftung ist es, die Erhaltung und Pflege des 250 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes über möglichst lange Zeitläufe zu sichern. Durch die Einbindung von stets drei Röperschen Namensträgern in den Stiftungsvorstand soll die Bindung an die Familie Röper gewährleistet sein.
Allen, die sich am, im und um den Röperhof mühen und sorgen, aber auch allen, die ein paar schöne Stunden dort verleben wollen, wünsche ich allzeit viel Glück und Gottes Segen.
Hohenwestedt, im Juli 2009 — Hans Röper

Der Text ist der Festschrift „250 Jahre Röperhof“ entnommen und wurde gekürzt.