Der Röperhof Hamburg · 1759

Sanierung · Erfahrungsbericht

Der Röperhof heute

Christoph Mühlhans über vier Jahrzehnte Rettung, Sanierung und Nutzung des Röperhofs.

Es klingt ein wenig wie im Märchen, aber es ist wahr: Schon als Kind war mir der verlassene und so traurig wirkende Röperhof aufgefallen. Mit den vernagelten Fenstern im Wirtschaftsgiebel, den verwitterten Fassaden und dem schadhaften Reetdach machte dieses Haus einen großen Eindruck auf mich. Ich wollte ihm irgendwie helfen und redete mir ein: Wenn ich mal ein Haus besitzen sollte, dann möge es dieses hier sein, um es retten zu können!

Der fast verlassene Röperhof vor dem Elbtunnelbau
Der fast verlassene Röperhof vor dem Elbtunnelbau

Auf dem Weg vom elterlichen Pfarrhaus am Bahrenfelder Steindamm zum Jenischpark lag der Röperhof genau an meiner Fahrradstrecke. Ich muss so zwischen 8 und 12 Jahre alt gewesen sein, der Elbtunnel war gerade im Bau und der Jenischpark war für meine Freunde und mich ein sehr beliebtes Ausflugsziel.

Gen Ende meiner Schulzeit versuchte ich, etwas für ein sehr stattliches Haus an der Elbchaussee zu unternehmen. Der Abriss drohte und meine Freunde und ich hatten das von ein paar Stadtstreichern bewohnte Haus genau erkundet und Pläne geschmiedet. Viele schöne Holzbauteile hatten die Stadtstreicher in den vorausgegangenen Wintern bereits verheizt, aber dadurch war in einem Saal eine sehr schön ausgemalte Decke zum Vorschein gekommen. So hatte ich die ersten Kontakte mit den Behörden geknüpft und war am Denkmalschutzamt auf Herrn Prof. Dr. Herrmann Hipp gestoßen, von dem ich mich verstanden und unterstützt fühlte.

Nach dem Zivildienst, den ich in der Jugendarbeit der Hauptkirche St. Katharinen ableistete, bewarb ich mich für ein Theologie- und Kunstpädagogik-Studium. Aber schon während des Zivildienstes 1979 habe ich mit den Jugendlichen aus meiner Gruppe häufig über den Röperhof gesprochen und die beginnenden Aktivitäten beobachtet. Mit meinen Freunden suchte ich zu der Zeit abgelegene Gewerbeflächen, um Übungsräume für Bands zur Verfügung zu stellen. Aber niemand wollte uns „Halbstarken“ große Flächen vermieten.

Mit Freunden aus der Schulzeit gründete ich einen Hifi-Laden in St. Pauli. Um meiner Lautsprecherfirma etwas mehr Platz zu verschaffen, suchte ich Gewerberäume. Nun hatte ich endlich einen guten Grund, bei der Familie Röper vorzusprechen und meine Sanierungsideen vorzutragen. Ich bemühte mich um den ganzen Rest der Stallungen und suchte unter meinen Freunden nach Mietinteressenten. Neben meiner Lautsprecherwerkstatt gab es so im Jahr 1982 eine Autowerkstatt im ehemaligen Kuhstall und einen Weinhandel in der Deele des Röperhofs.

Steineklopfen
„Steineklopfen“ — die Ziegel werden vom Kalkmörtel befreit und später wieder verwendet

Die Verhandlungen mit der Familie Röper über einen von mir angestrebten Pachtvertrag, der das gesamte Gebäude einschloss, zogen sich hin. Mir wurde klar, dass ein überzeugendes Sanierungskonzept nicht nur emotionales Engagement sondern auch Fachkenntnisse verlangte, also bewarb ich mich für ein Architekturstudium an der Hochschule für Bildende Künste (HFBK) in Hamburg.

Wir hatten den Gewerbeteil des Röperhofs mittlerweile in Beschlag genommen und die ersten wirklich dringenden Arbeiten geleistet: Die Dächer wurden abgedichtet und stellenweise Balken ausgetauscht. Beunruhigend war der Zustand des Südgiebels am Wohnteil: Der gesamte Giebel drohte herauszufallen, da die Erdgeschosswand sich gesetzt und leicht gedreht hatte.

Im Sommer 1982 hatte ich mich für das Architektur-Studium beworben, wurde zum Wintersemester angenommen und im Sommersemester des nächsten Jahres haben wir bereits den Südgiebel saniert. Neun Studenten aus meinem Semester haben mir geholfen. Unter der Leitung von Architekten des „Planerkollektivs“ und mit der Finanzierung der Kulturbehörde wurde der Giebel über zwei Geschosse abgetragen, Teile des Fachwerks ersetzt, neu fundamentiert und wieder aufgebaut.

Gerüst am Giebel
Das abenteuerliche Gerüst hatten Zimmerleute gebaut, der Giebel bekommt ein Fundament

Rückblickend betrachtet ist es schon erstaunlich, dass die Familie Röper unser Anliegen überhaupt anhörte und sich ernsthaft damit beschäftigte. Ich kam per Motorrad, in Lederkluft, mit dem damals üblichen Palästinenser-Tuch um den Hals und ziemlich langhaarig. Hans und Johann Röper hatten ihrer Schwester die Aufgabe überlassen, sich um das Elternhaus in Othmarschen zu kümmern, und so traf wohl Johanna Röper letztendlich die Entscheidung, es mit mir zu versuchen. Dieser Vertrag hat noch heute Bestand. Die Geschwister Röper standen uns immer mit Rat und Tat zur Seite. Es ist ein Glücksfall für uns und unsere Aufgabe, dass hinter dem Röperhof diese einzigartige Familie steht.

Das Studium an der HFBK haben meine damalige Freundin Carola Hein und ich projektbezogen betrieben. Für alle planerischen und praktischen Aufgaben am Röperhof haben wir uns Professoren zur Betreuung gesucht. Es war ein großer Vorteil, nicht an hypothetischen Aufgaben zu sitzen, sondern jede Planung auch selbst umsetzen zu müssen. Unsere „Lieblingsprofessoren“ waren Dr. Goerd Peschken (Baugeschichte) und Hartmut Frank (Architekturtheorie).

Vor den Bauarbeiten am Südgiebel 1983 war abzusehen, dass uns Handstrichsteine im „holländischen Format“, wie sie am Röperhof verwendet wurden, fehlen würden. In Moorburg wurden wir fündig: Hier stand eine kleine Fachwerk-Scheune, deren Reetdach partiell gebrannt hatte. Früh am Morgen begannen wir damit, die Gefache heraus zu nehmen, die Steine abzuklopfen und in einen geliehenen Transporter zu verladen. Wenig später wurde unsere Aktion von der Behörde gestoppt — wir hatten in unserer Naivität dazu beigetragen, ein erstes Haus in Moorburg gegen den Willen der grünen Partei und vieler Moorburger abzutragen.

Nicht vergessen werden darf die Gründung des Vereins zur Erhaltung des Röperhofs im Jahre 1983. Mitglieder waren zunächst die Mieter im Röperhof, später engagierte Nachbarn und Freunde. Viele ehrenamtliche Helfer unterstützten unsere Arbeit durch tatkräftige Mitarbeit. Über den Verein konnten wir finanzielle Mittel aus der Kulturbehörde beantragen.

Der Kontakt zum Denkmalschutzamt war von herausragender Bedeutung: Für die größeren Baumaßnahmen an Dach und Fassaden konnten wir Gelder der Kulturbehörde beantragen und erhielten Zusagen über etwa 20 % der Gesamtkosten. Dann mussten wir die Arbeiten vorfinanzieren und versuchten, alles komplett in Eigenleistung fachgerecht auszuführen. Über diese unbürokratische Abwicklungsmethode und die Möglichkeit mit den Studentenpraktika konnten wir den Großteil der Fassadensanierungen finanzieren.

Neben der Arbeit am Röperhof haben wir uns für andere bedrohte Gebäude in Hamburg eingesetzt — so für die Fleetinsel, wo ich nachweisen konnte, dass eines der Gebäude aus der Barockzeit stammte, und für den barocken Paradieshof von 1762 am Alten Steinweg, den wir durch eine pressewirksame „Unterschutz-Besetzung“ vor dem Abriss bewahren konnten.

Es ist eine große Anerkennung unserer Arbeit und eine Freude für uns, dass wir 1990 den ersten jemals verliehenen Preis für herausragende Denkmalpflege der Patriotischen Gesellschaft erhalten haben, obwohl wir selbst damals den Hof noch lange nicht als fertig saniert betrachteten.

Südgiebel nach der Sanierung
Südgiebel des Röperhofs nach der Sanierung, Foto zur Preisverleihung der Patriotischen Gesellschaft

Am Röperhof wollten wir beispielhaft zeigen, dass es möglich ist, ein Denkmal sinnvoll zu nutzen und kostendeckend zu betreiben, ohne es zu entkernen und alle Entwicklungen, die das Haus über die Jahrzehnte erfahren hat, rückgängig zu machen. Uns war bewusst, dass dafür eine besonders sensible Planungsleistung notwendig war und Kompromisse bei der Nutzung, nicht aber bei der Erhaltung der alten Substanz gemacht werden mussten.

Als am Röperhof 1984 die dringendsten Aufgaben bei der Fassadensanierung erledigt waren und die Neueindeckung des riesigen Reetdachs finanziell gesichert war, mussten wir mit den Ideen zur späteren Nutzung konkret werden. Dafür bot es sich an, in den gemütlichen Stuben des Kammerfachs ein Café einzurichten. 1987 ergab sich die Möglichkeit, den aufwändigen Ausbau zu finanzieren: Die Errichtung von vier geplanten Behinderten-Arbeitsplätzen wurde mit 50 000 DM je Arbeitsplatz gefördert.

Reetdacharbeiten 1984
Reetdacharbeiten durch die Firma Puttfarcken 1984

Im Mai 1988 wurde das Röpers-Hof-Café eröffnet. Für den Ausbau war es notwendig gewesen, eine Feuerschutzdecke zwischen den Stallungen und dem Dachboden einzuziehen, auf deren Konstruktion ich noch immer stolz bin, weil sie dem Denkmal keinerlei Kompromisse abverlangte. In den übrigen Räumlichkeiten fanden verschiedene Künstler und Kunsthandwerker stilvolle Ateliers.

Ende 1989 zog eine Kunstschule in speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Loft-Räume im Dachgeschoss des Anbaus ein. Bei der ehrenamtlichen Mitarbeit in der Kunstschule lernte ich meine Frau Friederike kennen. Nur mit ihr zusammen war es möglich, die neunziger Jahre am Röperhof zu überstehen. Wir hatten nicht immer Glück mit den Mietern und mussten mit Konkursen mehrerer Mietparteien kämpfen.

Die Kunstschule mit Galerie und Ateliers
Die Kunstschule mit Galerie und Ateliers

Dann aber wurden die Planungen zum Bau der 4. Elbtunnelröhre immer konkreter und bedrohlicher. Nach einer denkwürdigen Anhörung der Baubehörde gründeten wir zusammen mit Nachbarn spontan die Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach“, die bis heute existiert und eine komplette Überdeckelung der Autobahn in Othmarschen und Bahrenfeld zum Ziel hat.

Trotz dieser bedrohlichen Situation hatten wir den Mut, 1995 die einzige noch unausgebaute Fläche am Röperhof, den großen Heuboden unter dem Reetdach, in Angriff zu nehmen. Hier ging es uns im Wesentlichen um die Installation eines angemessenen Brandschutzes. Fast alle Arbeiten wurden von uns selbst ausgeführt; nur für die Lehmarbeiten mussten wir eine Firma beauftragen. Hier haben wir die Feuerschutztechnik für das Reetdach angewendet und damit Pionierarbeit geleistet.

1997 eröffnete dann das „Restaurant Röperhof“ unter der Leitung von Christoph Vieider und Michael Heveker mit der von uns hoch geschätzten Küche. Viele tausend Menschen konnten in den vergangenen Jahren den Röperhof erleben. Damit ging ein großer Wunsch unseres Denkmalschutz-Gedankens, die Öffnung des Hauses für ein breites Publikum bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Nutzung, in Erfüllung.

Die Gartenterrasse des Röperhof Restaurants
Die Gartenterrasse des Röperhof Restaurants

Dennoch hätte der Röperhof nicht als das einmalige Denkmal, das er in Hamburg darstellt, erhalten werden können, wären da nicht die vielen Helfer und guten Geister gewesen. Als erstes möchte ich meiner lieben Frau danken für ihre tatkräftige Unterstützung in allen Lebenslagen. Der Röperhof Stiftung, die heute Eigentümerin des Röperhofs ist, danke ich für die vielen aufrichtigen Gespräche und hoffe auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit beim gemeinsamen Ziel, den Röperhof noch für viele Generationen zu erhalten.

Der Dachstuhl des Silos ist gerichtet
Der Dachstuhl des Silos ist gerichtet. Von links nach rechts: Christoph, Julius, Stefan, Marie

Mein ganz besonderer Dank geht an die vielen ehrenamtlichen oder mehr schlecht als recht bezahlten Helfer, die die Erhaltung des Röperhofes erst möglich gemacht haben. Ohne die Hilfe und das Mitdenken dieser Freunde und Nachbarn hätten wir sicherlich schon vor vielen Jahren das Handtuch werfen müssen. In den letzten Jahren sind unsere Kinder zu unseren treuen Handwerkern geworden, sogar Enkel Frederik hilft schon mal mit.

Ein überirdischer Dank geht an den lieben Gott, der uns diesen Weg gehen ließ und unsere Mitstreiter vor jeglichem Unheil bewahrte. Mögen der Röperhof und alle Menschen in seinem Umfeld weiterhin stets beschützt und behütet sein!

Christoph Mühlhans, 2009

Der Text ist der Festschrift „250 Jahre Röperhof“ entnommen.